Zeuge Jehovas, Alfred Bostelmann hingerichtet

26. März 1944
Kantstraße 42, Bremen

Vor dem Haus Kantstraße 42 in der Neustadt erinnert ein Stolperstein an den Elektroschweißer Alfred Bostelmann. Er  wurde hier am 19. März 1921 geboren und wohnte hier, als  jüngster von sechs Kindern mit seinen Eltern. Alfreds Vater, Wilhelm Bostelmann, war ein aktiver Christ und gehörte zu den „Ernsten Bibelforscher“, wie sie sich selbst bis 1931 nannten. Später wurden sie bekannt als „Zeugen Jehovas“. Vater Wilhelm bezog auch nach dem Verbot seiner Glaubensgemeinschaft die Zeitschrift „Der Wachturm“ und verteilte sie illegal unter den Mitgliedern. 1935 wurde er verhaftet und vor dem Hanseatischen Sondergericht gestellt. Trotz Freispruchs wurde er in „Schutzhaft“ genommen und schwer mißhandelt. Er verstarb am 24. Mai 1935 im Roten Kreuz Krankenhaus, wo er auf Grund seiner Verletzungen aus der Haft eingeliefert worden war. Möglicherweise wurde der Vater von den Nationalsozialisten vergiftet.

Sohn Alfred Bostelmann besuchte die benachbarte Volksschule an der Kantstraße. Bereits als Jugendlicher hatte er mit eigenen Augen gesehen, wie sein Vater von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Auch er wurde damit ein Gegner des Naziregimes . Er nahm in dieser Zeit auch den Glauben seiner Eltern an. Offensichtlich hat er in seinem Betrieb, den Atlas-Werken, aus seiner Einstellung kein Geheimnis gemacht. Das wurde der Gestapo von Betriebsmitarbeitern gemeldet.

Daraufhin wurde seine Freistellung vom Wehrdienst – bis dahin vom Betrieb erwirkt – aufgehoben und er erhielt den Einberufungsbefehl. Getreu dem Gebot seines Glaubens: „Du sollst nicht töten“, verweigerte er den Kriegsdienst. Im Oktober 1942 wurde er verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und am 26. März 1943 in Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet.

Insgesamt wurden alleine in Bremen 71 Bibelforscher verhaftet und inhaftiert von denen 15 in der Haft starben bzw. ermordet wurden. Während des Nationalsozialismus verweigerten sie aus Glaubensgründen den sog. „Deutschen Gruß“, besser bekannt als „Hitler Gruß“, nahmen nicht an Wahlen teil und weigerten sich Mitglied in einer NS-Organisation zu werden.

Der Stolperstein für Alfred Bostelmann wurde 2006 auf Initiative des Kommunisten Herbert Breidbach verlegt, der gemeinsam mit ihm die Volksschule an der Kantstraße besucht hatte.

Veröffentlicht am und aktualisiert am 2. Juli 2026

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